Old Fashioned Rezept: der Klassiker mit Bourbon und die Variante mit Rum
Von der Formel von 1806 bis zu Stefans High-End-Build: Rezepte, Community-Flaschen und das Video zum Nachmixen

Der Old Fashioned besteht aus vier Zutaten: Spirituose, Zucker, Wasser, Bitters. Das Grundrezept: 6 cl Bourbon oder gereifter Rum, 0,5 cl Zuckersirup, 2 Dashes Angostura, kurz auf Eis gerührt, serviert mit Orangenzeste. Dauer: rund 3 Minuten. Bei gesüßten Rums startest du ohne Sirup.
Jede ernsthafte Bar hat ihn auf der Karte, und wenn nicht, mixt ihn der Barkeeper mit einem anerkennenden Nicken aus dem Gedächtnis. Don Draper hat ihm in „Mad Men" ein Denkmal gesetzt, die Cocktail-Renaissance hat ihn zurück auf den Thron getragen. Hier bekommst du das klassische Rezept, die Geschichte dahinter und eine These, zu der wir als Rum-Plattform stehen: Mit dem richtigen Rum wird dieser Drink nicht exotischer, sondern konsequenter. Wie weit die Formel trägt, zeigen vier Varianten aus Bar, Magazin und Community weiter unten.
Das Rezept
Die Grundformel ist seit 1806 schriftlich belegt; das Wasser kommt dabei aus dem Eis. Hier beide Fassungen:

Klassisch mit Bourbon (1 Drink)
- 6 cl Bourbon
- 0,5 cl Zuckersirup 1:1 (1 Barlöffel; bei 2:1-Sirup nur die Hälfte)
- 2 Dashes Angostura Bitters
- 1 Orangenzeste
- 1 großer, möglichst klarer Eiswürfel
So schmeckt er: Schon beim ersten Riechen ist die Orange da, hell und frisch über warmem Holz, Vanille und einem Hauch Leder. Für einen Moment sitzt du in einer schummrigen Bar hoch über Manhattan, irgendwann in den 1920ern. Der erste Schluck ist kühl und wird dann warm: Orange und dunkle Schokolade legen sich samtig auf den Gaumen, eine feine Süße und trockene Bitternoten halten alles zusammen. Der Jazz spielt dabei nur im Kopf.
Rum Old Fashioned (1 Drink)
- 6 cl gereifter Rum, bei Fassstärke ab 55 % lieber 4 bis 5 cl
- 0 bis 0,5 cl Zuckersirup 1:1, je nachdem, wie süß dein Rum ist (siehe unten)
- 2 Dashes Angostura Bitters
- 1 Orangenzeste
- 1 großer, möglichst klarer Eiswürfel
Zubereitung (3 Minuten, gilt für beide)
- Ein Rührglas großzügig mit Eis füllen. Je mehr Eis, desto schneller wird der Drink kalt und desto weniger Schmelzwasser entsteht.
- Spirituose, Sirup und Bitters dazugeben und kalt rühren, bis der Drink richtig kalt und leicht verdünnt ist: Mit viel Eis reichen 10 bis 15 Sekunden, mit weniger Eis eher 20 bis 30.
- In einen Tumbler auf den großen Eiswürfel abseihen, idealerweise ins vorgefrostete Glas, dann bleibt der Drink länger kalt.
- Die Orangenzeste über dem Glas ausdrücken, sodass die Öle auf die Oberfläche sprühen, dann als Garnitur ins Glas geben.
So schmeckt die Rum-Fassung: dasselbe Spiel, anderes Klima. Von Manhattan direkt nach Havanna, ohne Zwischenlandung. In der Nase dunkle Melasse, reife Frucht und grüne Kräuternoten, obenauf die Frische der Zeste. Am Gaumen tanzt die tropische Süße mit herbem Kakao, während die Gewürze der Angostura Bitters für Tiefe und Nachhall sorgen.
Das Glas ist hier keine Nebensache, der Drink ist nach einem benannt: Das niedrige, dickwandige Becherglas heißt international Old Fashioned Glass, hierzulande Tumbler. Zur Not tut es ein kleines Wasserglas. Warum welches Glas was mit deinem Rum macht, steht in unserem Gläser-Guide.

Beim Rum entscheidet der Zucker
Viele beliebte gereifte Rums sind ab Werk gesüßt. Der Diplomático Reserva Exclusiva etwa, der in Deutschland wegen eines Markenrechtsproblems früher unter dem Namen Botucal lief, wird auf RumX als gesüßter Rum geführt, genau wie der El Dorado 12. Bei solchen Flaschen startest du ohne Sirup und süßt höchstens nach, sonst kippt der Drink ins Dessert. Den Rum vorher zu probieren dauert zehn Sekunden; Sirup wieder aus dem Glas zu angeln dauert deutlich länger.

Warum Rum den Old Fashioned größer macht
Der Old Fashioned war dem Rum immer schon näher, als seine Whiskey-Ikonografie vermuten lässt: Sein Standard-Bitter Angostura wurde 1824 von dem deutschen Arzt Johann Siegert in der Stadt Angostura im heutigen Venezuela entwickelt und wird seit 1875 in Trinidad produziert.
Im Glas zeigt sich der größere Unterschied. Der klassische Old Fashioned mit Bourbon funktioniert, weil alles zusammenpasst: Vanille, Karamell und geröstetes Holz aus dem neuen amerikanischen Eichenfass, dazu Zucker, Bitters und die Öle der Orangenzeste. Genau darin liegt aber auch seine Grenze: Fast alle Komponenten bewegen sich in dieselbe Richtung, der Drink bestätigt den Grundton, statt ihn zu erweitern.
Gereifter Rum bringt dieselben Fass-Aromen mit und trägt die Struktur des Drinks deshalb mühelos. Seine Süße funktioniert aber anders: Auch ein komplett ungesüßter Rum kann süß wirken, durch fruchtige Ester aus der Fermentation, Vanille und Karamell aus dem Fass und seine Textur. Je nach Herkunft kommen Orangenschale, Ananas oder Banane dazu, genauso aber Tabak, Leder, Kakao, Kräuter oder eine fast mineralische Trockenheit. Bitters und Zeste greifen auf, was schon da ist, und führen es weiter.

Deshalb braucht der tropische Kick eines Rum Old Fashioned weder Ananassaft noch Kokossirup. Er kommt aus dem Destillat.
Und dann ist da die Herkunft. Bourbon hat einen engen gesetzlichen Rahmen (und trotzdem mehr Bandbreite, als sein Ruf vermuten lässt); Rum wird in Dutzenden Ländern nach völlig unterschiedlichen Traditionen gebrannt. Der Drink wechselt mit jeder Flasche den Charakter: Mit einem esterreichen Rum aus Jamaika wird er expressiv und fruchtig, mit einem Rum aus Guyana dunkel und lakritzig, mit einem Agricole aus Martinique kräutrig und trocken, mit einer Abfüllung aus Barbados klassisch ausgewogen, mit einem Venezolaner rund und weich.

Verkürzt auf typische Tendenzen:
| Bourbon | Gereifter Rum | |
|---|---|---|
| Süße | Fass plus Zucker, eine Richtung | Frucht, Fass und Textur: wirkt oft süß, auch ungesüßt |
| Aromen-Fächer | Vanille, Karamell, Röstholz | Frucht, Zitrus, Kakao, Tabak, Leder, Erde, Mineralik |
| Herkunft | Ein Land, enges Regelwerk | Dutzende Länder und Traditionen |
| Im Old Fashioned | Der verlässliche Klassiker | Dieselbe Formel, mit jeder Herkunft ein anderes Ergebnis |
Welcher Rum? Sechs Flaschen, sortiert nach Stil
Die Noten und Preise kommen nicht von uns, sondern aus den Bewertungen und Kaufpreisen der RumX-Community (Stand: August 2026). Und das ist keine Siegerehrung: Ein Rum mit 8,0 kann in deinem Glas schlechter passen als einer mit 7,3. So findest du den Einstieg, der zu deinem Geschmack passt:
Botucal Reserva Exclusiva
Botucal Reserva ExclusivaSüßer, weicher Vanille-Karamell-Einsteiger-Rum
Ideal für: Rund & süß aus Venezuela, der sicherste Einstieg. Ab Werk gesüßt: Sirup weglassen.
Geliebt als erster Rum für seinen süßen, weichen Vanille-Karamell-Charakter. Die ehrliche Einschätzung: Zuckerabgeneigte und erfahrene Genießer finden ihn zu süß, flach und eindimensional.
Foursquare Doorly's 12 Years
Foursquare Doorly's 12 YearsWeicher, holziger Barbados-Genussrum, einfach und günstig
Ideal für: Klassisch & trocken aus Barbados, der Preis-Leistungs-Sieger dieser Liste.
Weit verbreitet beliebt als ehrlicher, gut gereifter, einfacher und günstiger Genussrum zu einem fairen Preis. Der häufigste Kritikpunkt: 40 % und die Eiche lassen Kenner manchmal mehr Punch und Frische vermissen.
Appleton Rare Casks 12 Years
Appleton Rare Casks 12 YearsRunder, eichenbetonter Jamaikaner mit sanftem Funk
Ideal für: Fruchtig & fein aus Jamaika: Orangenschale trifft Orangenzeste.
Weit verbreitet beliebt als gut abgerundeter, eichenbetonter Jamaikaner, der sich leicht pur genießen lässt und im Mai Tai glänzt. Die meisten wünschen sich mehr Wumms – die 43% und die zurückhaltenden Ester lassen Funk-Fans auf mehr hoffen.
Worthy Park 109 Jamaica Rum
Worthy Park 109 Jamaica RumFunky, bananen- und cola-lastiger jamaikanischer Mix-Kraftprotz
Ideal für: Kraftvolle 54,5 % aus Jamaika: nur 4 bis 5 cl nehmen.
Geliebt als hochprozentiger Mixer mit echtem Worthy Park Funk und unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die meisten sagen, er hält sich in Cocktails hervorragend; pur kann er heiß, holzig und etwas eintönig wirken.
DDL El Dorado 12
DDL El Dorado 12Weicher, süßer Demerara mit Karamell- und Vanillenoten als Einstieg
Ideal für: Dunkel & würzig aus Guyana. Ebenfalls gesüßt: Sirup weglassen.
Beliebt als einfacher, karamelllastiger Einstiegs-Demerara. Die Rezensenten sind sich einig, dass er weich und angenehm ist; die wiederkehrenden Kritikpunkte sind Süße, leichter Körper und weniger Tiefe als beim 15-jährigen.
Rhum J.M XO
Rhum J.M XOAusgewogener, fassbetonter Einstieg in den Agricole
Ideal für: Grasig & trocken aus Martinique: der Agricole-Twist für Kenner.
Die meisten sehen diesen Rum als die Referenz für einen Einstiegs-Agricole aus Martinique: ausgewogen, fruchtig, würzig, nicht zu grasig. Die häufigste Kritik ist, dass er angenehm, aber nicht sehr komplex ist und zum Ende hin trocken und holzig wird.
Wenn du lieber selbst suchst: Der Rum-Finder führt dich in vier Fragen zu deinem Stil.
Die Community mixt mit
Dieselbe Frage haben wir ins RumX-Forum gegeben: Was ist euer Lieblings-Rum für einen Old Fashioned? Bei Redaktionsschluss im August 2026 führte der El Dorado 15 in der 2020er-Abfüllung, die anders als der El Dorado 12 ungesüßt ist, der Sirup darf hier also bleiben. Dahinter liegen gleichauf Appleton Rare Casks 12, Doorly’s 14, Pusser’s 15 und der La Sirène von Compagnie des Indes.
Noch wertvoller als die Stimmen sind die Tricks aus dem Thread:



„Inzwischen mache ich einen Split: halb Rum, halb Cognac oder Bourbon. Ich mag ihn so lieber als nur mit Rum."
Einer aus dem Thread lebt das Thema besonders konsequent: @crazyforgoodbooze, von dem weiter unten auch der Seamaster-Tipp in Build 2 stammt, fotografiert seit 2021 Old Fashioneds in Bars zwischen Mainz und Zagreb. Ein Blick in sein Archiv:

Spiritus, Mainz · Okt. 2021 
Spiritus, Mainz · Okt. 2021 
München · Apr. 2022 
München · Apr. 2022 
Ory Bar, München · Apr. 2022 
Electric Eel, Karlsruhe · Juni 2022 
Roots Bar, Zagreb · März 2024 
Roots Bar, Zagreb · März 2024 
Silk & Fizz, Ljubljana · Apr. 2026 
Jigger & Spoon, Stuttgart · Mai 2026 
Spiritus, Mainz · Aug. 2026
Die Umfrage läuft weiter: Stimm ab oder wirf deine RX-ID in den Thread, die Top-Rums der Community bekommen hier ihren Platz.
Vier Varianten aus der Praxis
Im Video mixt Bar-Profi Stefan Glück drei Builds, die vierte Variante kommt vom Cocktailmagazin Zucker & Zeste. Stefan führt heute die Bar im Der Ludwig in Heilbronn und hat davor jahrelang seine eigene Bar betrieben, benannt nach genau diesem Drink: die Old Fashioned Bar. Für diesen Guide standen wir mit ihm hinter dem Tresen.
Direkt zu den Builds: 1 · Einsteiger · 2 · Brückenbauer · 3 · Stormy Weather · 4 · Dirty Rum Bastard
Warum ausgerechnet dieser Drink, Stefan?
„Der Old Fashioned ist tatsächlich einer meiner Lieblingsdrinks. Gerade mit Rum bietet er sich extrem an, weil du so viel Komplexität und Vielfalt in der Spirituose hast. Mit einem Rum Old Fashioned kannst du ziemlich jeden bedienen: Der kann von süß bis extrem kräftig oder fruchtig eigentlich alles sein. Ein Bourbon schmeckt halt immer wie ein Bourbon. Beim Rum kannst du den Drink auch mit einem ungelagerten Agricole machen, das verändert ihn komplett."
1. Der Einsteiger: Diplomático Old Fashioned
Der Diplomático Reserva Exclusiva ist mit über 3.300 Bewertungen der meistbewertete Rum der RumX-Community: ein weicher Venezolaner mit Vanille, Karamell und Orangennote. Genau das macht ihn zum sichersten Einstieg in den Rum Old Fashioned.
- 6 cl Diplomático Reserva Exclusiva
- 3 Dashes Angostura Bitters
- 1 knapper Barlöffel Zuckersirup
- Orangenzeste, großer Eiswürfel
Zubereitung wie im Grundrezept: mit viel Eis 10 bis 12 Sekunden kalt rühren, abseihen, Zeste ausdrücken.
Dass der Reserva Exclusiva der Einstiegs-Klassiker ist, bestätigt auch das Forum. @zabo dort über seine Anfänge: „In den ganz frühen Anfängen hab ich den RX3 genommen, bis der Stoff immer besser, aber auch teurer wurde." RX3 ist seine RumX-ID, so nennt die Community ihre Flaschen im Alltag.

2. Der Brückenbauer: Seamaster Old Fashioned
Diese Flasche kam über den Community-Aufruf in den Artikel: der Burke’s Seamaster von Rum Artesanal, ein Blend aus je zur Hälfte Jamaika- und Barbados-Rum, mit 50 % abgefüllt (Community-Note 7,8 bei 70+ Bewertungen).

Stefan dazu im Video: Der Barbados-Anteil bringt cremige Kokosnoten und Körper, der Jamaika-Anteil die Frucht. Hier beginnt das Twisten:
- 6 cl Burke’s Seamaster
- 2 bis 3 Dashes Chocolate Bitters statt Angostura
- 1 Barlöffel selbst gemachter Vanillesirup (Zuckersirup mit einer frischen Vanilleschote aufkochen)
- Orangenzeste, großer Eiswürfel
Die Schoko-Bitters unterstreichen die Cremigkeit des Barbados-Anteils, und zur Vanille sagt Stefan: „Vanille macht eigentlich immer eine sehr schöne Figur mit Jamaika-Rum. Sie bringt eine leicht süßliche Cremigkeit zum fruchtigen Rumcharakter dazu." Mit seinen 50 % ist das Ergebnis spürbar knackiger als der Einsteiger, näher an einem klassischen Bourbon Old Fashioned, nur mit Kokos und Schokolade obendrauf.

3. Stormy Weather Old Fashioned (Zucker & Zeste)
Christoph Fröhlich und Hendrik Fröhlich von Zucker & Zeste steuern die vierte Variante bei: Rum, ein Schuss Mezcal, Rosmarin. Die beiden über ihren Drink:

„Wenn es abends schon zu frisch für einen leichten Highball ist, aber noch zu früh für den schweren Winterdrink, dann wird es Zeit für den Stormy Weather Old Fashioned. Er bietet Rauch und Kräuter für den Herbst, dazu ein Rum, der ihn weich und rund hält. Gefunden haben wir ihn bei antisocialpotions auf Instagram, danach haben wir ihn noch am selben Abend nachgemixt. Der Old Fashioned ist bei uns der schnelle Drink für den Feierabend. Spirituose, Zucker, Zeste, Bitter, Eis. Fertig. Man kann ihn nicht wirklich verhunzen, außer man vergisst das Rühren, und genau deshalb schrauben wir so gern daran herum. Diesmal an der Basis: Statt einer Spirituose kommen zwei ins Glas, 45 ml Rum und 15 ml Mezcal. Auf das Verhältnis kommt es an, denn so legt sich der Rauch als dünne Schicht unter den Rum. Bei halbe-halbe hast du einen Mezcal-Drink, in dem der Rum nur mitläuft. Den eigenen Dreh gibt der Rosmarinsirup. Rosmarin und Rauch verstehen sich, Rosmarin und Vanille auch, und plötzlich trägt ein Kraut den Drink, das wir bis dahin für reines Kartoffelzubehör gehalten haben."

Zutaten
- 4,5 cl Diplomático Reserva Exclusiva
- 1,5 cl Mezcal (Topanito Espadín)
- 2 Barlöffel (1 cl) Rosmarinsirup
- 2 Dashes Bittermens Elemakule Tiki Bitters
- Zitronenzeste, optional ein Rosmarinzweig
Zubereitung
- Alle Zutaten auf Eis kalt rühren.
- Auf einen großen Würfel oder eine Eiskugel abseihen.
- Zitronenzeste über dem Glas ausdrücken und hineingeben.
- Optional den Rosmarinzweig auflegen.
Rosmarinsirup in Kurzform: 200 g Zucker (am besten halb Rohrohr, halb weiß) mit 200 ml Wasser unter Rühren lösen. 25 g frische Rosmarinnadeln und eine halbe bis ganze Limette in Scheiben dazu, zugedeckt bei niedriger Hitze 20 Minuten sanft köcheln, dann den Herd ausschalten und weitere 90 Minuten ziehen lassen. Durch ein feines Sieb in eine sterilisierte Flasche abseihen. Gekühlt hält er laut den beiden 8 bis 12 Wochen.
4. Der High-End-Build: Dirty Rum Bastard
In Stefans Old Fashioned Bar war dieser Drink einer der Topseller, damals mit Habanero-infusioniertem Ahornsirup. Im Video baut er die Schärfe einfacher nach, damit du den Drink zuhause ohne Vorlauf mixen kannst. Nichts für den Einstieg: zwei Fassstärke-Rums mit einem Mittelwert von 65,3 %, dazu Chili. Stefans Kommentar dazu im Video: „Kann man mit arbeiten."
- 1 frisches Chilistück, im Rührglas gemuddelt
- 3 cl Mhoba Select Reserve French Cask (Südafrika, 65 %, esterreich und fruchtig)
- 3 cl TBS Clarendon 1995 (Jamaika, 65,6 %, 23 Jahre tropisch plus 4 Jahre kontinental gereift)
- 0,5 cl Ahornsirup
- Ein paar Tropfen Stillabunt Doc Fire Bitters
- Orangenzeste, großer Eiswürfel

Der Clarendon stammt von The Bottle Shop, Stefans eigener Abfüllermarke; die Empfehlung ist also nicht unabhängig. Die RumX-Community bewertet die Abfüllung mit exzellenten 9,0. Der Ahornsirup bringt eine karamellige Note, die die Frucht des Mhoba einfängt; die Doc-Fire-Bitters unterstreichen die Chili-Note. Mit viel Eis kalt rühren, der kräftige Drink verträgt etwas Schmelzwasser, aber nicht zu lange. Das Besondere am Clarendon beschreibt Stefan so: „Beim EMB 95 hast du so eine krasse Minzbombe im Abgang, die bleibt am Gaumen hängen. Das kriegt man eigentlich nur mit dem hin." Ollis Fazit nach dem ersten Schluck steht im Video: der beste Old Fashioned, den er je getrunken hat.
Wer vorbereiten will, baut die Bar-Version mit infundiertem Sirup: 200 ml Ahornsirup mit einer halbierten Habanero im Kühlschrank ziehen lassen (beim Schneiden Handschuhe tragen, die Schärfe bleibt sonst stundenlang an den Fingern). Ab der ersten Stunde regelmäßig probieren und abseihen, sobald dir die Schärfe reicht: Je nach Frucht dauert das ein paar Stunden bis zwei Tage. Gekühlt hält der Sirup rund zwei Wochen; die Menge reicht für etwa 40 Drinks. Das gemuddelte Chilistück entfällt dann.
Wer die drei Builds nicht selbst rühren will, bekommt sie bei Stefan im Der Ludwig in Heilbronn.
Bevor Rum in diese Formel kam, musste der Drink allerdings erst seinen Namen bekommen.
Die Geschichte: Urformel, Rebellion, Wiedergeburt
13. Mai 1806. Die Zeitung „The Balance and Columbian Repository" in Hudson, New York, druckt die erste bekannte Definition des Wortes „Cocktail": „a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water, and bitters". Ein Rezept unter dem Namen Old Fashioned war das noch nicht, aber es ist exakt die Formel, der er bis heute folgt. Deshalb gilt er als Urformel des Cocktails. Die Whiskey-Fassung lief in den Bars des 19. Jahrhunderts schlicht als Whiskey Cocktail.
Der Name als Rebellion. Ab den 1860er Jahren rüsteten Barkeeper den schlichten Whiskey Cocktail auf: Curaçao, Absinth, Liköre. Sie behandelten ihre neuen Flaschen ungefähr wie einen frisch eingeräumten Gewürzschrank. „Improved Whiskey Cocktails" nannte sich das, der berühmteste ist der Sazerac. Wer davon nichts wissen wollte, bestellte sein Getränk „old-fashioned", auf die alte Art: Spirituose, Zucker, Bitters, Zeste, sonst nichts. Der Name beschrieb zunächst eine Haltung, erst später ein festes Rezept. Die oft erzählte Entstehungsgeschichte aus dem Pendennis Club in Louisville, wonach der Drink dort in den 1880ern für den Bourbon-Brenner James E. Pepper erfunden wurde, ist dagegen genau das: eine Legende, der ältere gedruckte Quellen widersprechen.

Auf der Cocktailkarte des Waldorf Astoria aus den 1930ern steht der Old Fashioned mit 50 Cent, und zwar mit Sternchen: „made only with whiskey bottled in bond over 5 years old". Schon damals galt, was diesen Drink bis heute ausmacht:
Tod und Wiedergeburt. Im 20. Jahrhundert entfernte sich der Drink vielerorts weit vom Original: zerdrücktes Obst, Kirschsirup, Soda. In Wisconsin wurde genau diese Machart, dort mit Brandy, sogar zur eigenen Tradition, die bis heute gepflegt wird; anderswo galt sie irgendwann als Karikatur. Die Cocktail-Renaissance nach 2000 grub das alte Rezept wieder aus: pur, herb, vier Zutaten. In der jährlichen Bar-Umfrage von Drinks International stand der Old Fashioned danach sieben Jahre in Folge auf Platz 1 der meistbestellten Klassiker, zuletzt 2021; 2025 liegt er auf Platz 2 hinter dem Negroni.
Bitters, die heimliche Hauptzutat. Die ersten Aromatic Bitters verkaufte der Londoner Apotheker Richard Stoughton schon um 1690 als Magenmedizin. Unter seinem heutigen Namen taucht der Old Fashioned ab 1888 in Barbüchern auf (Theodore Proulx, „The Bartender’s Manual"); die bis heute wiedererkennbare Formel mit Angostura druckte George J. Kappeler 1895 in „Modern American Drinks", damals übrigens mit Zitronen- statt Orangenzeste.
Popkultur-Fußnote. In „It’s a Mad, Mad, Mad, Mad World" (1963) übergibt der angetrunkene Pilot Tyler Fitzgerald mitten im Flug das Steuer an seine ahnungslosen Passagiere, um im Heck Old Fashioneds zu mixen: „What could happen to an old fashioned?" Kurz darauf schickt ein Steuerfehler die Maschine in den Sturzflug, Fitzgerald schlägt bewusstlos auf, und die Passagiere müssen selbst landen. Endgültig zum Charakterzeichen machte den Drink dann Don Draper in „Mad Men".
Häufige Fragen zum Old Fashioned
Und jetzt du
Der Old Fashioned hat zwei Jahrhunderte hinter sich; ein paar Experimente von dir hält er aus. Wenn du deine Variante gefunden hast, schreib deine Tasting Note in der RumX App oder teile deinen Build unten im Thread.




